Achtsam zur Gelassenheit

 

Wirksame Tipps hätte ich mir in meiner eigenen Zeit im Hamsterrad selbst gewünscht. Ob ich allerdings offen für deren Umsetzung gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Leider fehlt uns Menschen in dieser Zeit häufig die nötige Offenheit für ein Leben im jetzigen Moment. Ich erinnere mich sehr gut, wie gerade die eigentlich erholsame freie Zeit von quälendem negativem Gedankenkreisel geprägt war. Gedanken, die zu nichts geführt haben, außer, dass sie mir mein erholsames Wochenende geraubt haben.

In solchen Momenten müssen wir lernen, dass unsere Gedanken nicht die eindeutige Wahrheit sind. Sie sind lediglich unsere aktuelle Sicht auf eine Situation oder einen Menschen mit unserer individuellen Bewertung. Beruhend auf unseren Erfahrungen und persönlichen Glaubenssätzen. Diese Sicht kann unter einem anderen Licht betrachtet ganz anders aussehen. Sehen wir eine Situation als unüberwindbares Problem, als notwendige Herausforderung oder vielleicht sogar als Chance? Entscheiden Sie selbst!

Viele unserer täglich über 60.000 Gedanken drehen sich sorgenvoll um unsere Vergangenheit oder richten sich mit ängstlichem Blick in die Zukunft. Nicht selten steigern wir uns in Gedankenspiralen und machen aus einer Mücke einen Elefanten. Begleiterscheinungen des Gedankenkarussels sind Wut und Aggression. Zum Beispiel im Straßenverkehr oder auf der Suche nach einem freien Parkplatz. 

Deshalb hier ein paar praktische Tipps für den Alltag, um besser Loslassen und immer wieder bewusst in den jeweiligen Moment zurückkehren zu können.

 

1. Sage STOPP zu Deinen Negativgedanken

Das Wort Stopp kennt unser Unterbewusstsein sehr gut und es reagiert darauf sehr sensibel. Denken Sie nur an die eigene Erziehung oder die Erziehung Ihrer Kinder. Oder an den Umgang mit Ihren Hunden. Stopp heißt ultimativ Stopp! Unterbrechen Sie Ihre Gedanken immer wieder bewusst mit dem Wort Stopp und kehren Sie zum jetzigen Moment zurück.

2. Komme zurück zu Deinem Atem

Dieser Uralt-Tipp ist einer der besten und bewärtesten! Wer es schafft, sich auf seinen Atem zu konzentrieren, befindet sich in seiner inneren Mitte. Gerade beim Thema Entspannung sind es meist die traditionellen Tipps, die uns erfolgreich weiterhelfen. Praktisch ein Gegenpol zur modernen Zeit! Entspannung als App oder auf Knopfdruck ist es, was sich so mancher gestresste Manager wünscht. Leider nur eine Illusion!

3. Präsenz im zwischenmenschlichen Kontakt

Versuchen Sie bei Ihrem nächsten Gespräch konzentriert und aufmerksam zuzuhören. Nutzen Sie direkten Augenkontakt und signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie inhaltlich hundertprozentig bei ihm sind. Häufig sind wir während einer Unterhaltung gedanklich in unserem eigenen Film. Unterdrücken Sie auch den inneren Drang, selbst zu Wort kommen zu wollen. Fragen Sie statt dessen lieber noch einmal nach oder wiederholen Sie die Worte des anderen, um Missverständnisse auszuschließen. 

4. Schalte um auf visuelle Präsenz

Gerade in stressigen Situationen oder bei Lampenfieber vor einem Auftritt ein probates Mittel. Schauen Sie sich um und tun Sie so, als würden Sie die Welt um sich herum zum ersten Mal sehen. Schauen Sie auf herbstliche Bäume, braun gepflasterte Wege, eine blaue Tür, eine grüne Mineralwasserflasche oder eine gelb gestrichene Wand...
Schauen Sie sich die Dinge genau an und kommen Sie schon nach wenigen Momenten gedanklich in ein ruhigeres Fahrwasser. Ein wahrlich sinnliches Erlebnis!

...oder auf akustische Präsenz 

Nehmen Sie Geräusche, die Sie eben noch als nervend empfunden haben, zugeneigt und annehmend auf. Hören Sie den Baustellenlärm, die Straßenbahn, die Gespräche der Passanten. Empfangen Sie die zuvor als Lärm empfangenen Töne wie eine Art Musikstück. Anstelle von Herzrasen und aufkommender innerer Unruhe gesellt sich nun eine Art Gleichmut. 

5. Nutze die Progressive Muskelentspannung

Wenn Sie eine starke Anspannung spüren oder Emotionen Sie zu übermannen drohen, können Sie diesen Tipp nutzen. Spannen Sie einzelne Muskelgruppen für 10 Sekunden an und lassen Sie dann locker. Drücken Sie die Füße tief in den Boden, spannen Sie Schultern, Bauch und Po fest an. Spannen Sie auch Ihre Gesichtsmuskeln an. Oder drücken Sie mit den Händern für ein paar Sekunden fest gegen eine Wand.

Bei allen Tipps folgt auf Anspannung eine erholsame Entspannung.    

Ich wünsche Ihnen viele entspannte und gelassene Momente in Ihrem Alltag! Probieren Sie den einen oder anderen Tipp in nächster Zeit einmal aus. Es erfordert ein gewisses Training, erleichtert den Alltag in stressigen Situationen allerdings sehr!