Single-Tasking statt Multitasking

 

Eine kleine Geschichte aus dem alten China. Ein Vater bekommt Besuch von seinem Sohn. Während der Sohn gehetzt und erschöpft wirkt, sitzt der Vater entspannt vor seinem Haus und genießt die Sonne. Der Sohn fragt ihn: "Vater, wie schaffst Du es, immer so ruhig und ausgeglichen zu sein?" Der Vater antwortet: "Ganz einfach, mein Sohn! Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich esse, dann esse ich! Wenn ich zur Arbeit fahre, dann fahre ich zur Arbeit. Und wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Und wenn ich mich dann am Feierabend ausruhe, dann ruhe ich mich aus!

"Aber das mache ich doch auch!" erwidert der Sohn erstaunt. Der Vater sieht ihn prüfend an und erwidert: "Nein, Du machst es etwas anders!" Wenn Du schläfst, denkst Du schon ans Aufstehen. Beim Frühstück denkst Du schon an den Weg zur Arbeit. Auf dem Weg zur Arbeit, bist Du gedanklich schon am Arbeitsplatz. Bei der Arbeit organisierst Du im Kopf schon den Nachmittag oder bist Du gedanklich bereits beim Feierabend! Mit erstaunten Augen hält der Sohn inne und antwortet nach einer Pause: "Vater, ich glaube Du hast recht!" 

Wir lernen aus der Geschichte, dass wir gedanklich nur selten im jetzigen Moment leben! Wir sind meistens schon einen Schritt weiter. Viele Ereignisse und Chancen, die sich uns vor unseren Augen bieten, nehmen wir nicht wahr! Wir sehen sie nicht und können sie auch nicht genießen.

 

Multitasking bestimmt unseren Alltag

In unserer schnelllebigen und hochtechnisierten Zeit gilt Multitasking als Schlüssel für Effektivität und Tatkraft! Wir versuchen möglichst viele Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. So erleben sich viele Menschen zum Feierabend mit einem Pizzakarton, Laptop und Handy vor dem Fernseher. Noch schnell die letzten beruflichen Mails checken und beantworten, mit What's app den privaten Abend planen und dabei die Lieblingsserie schauen. Das Thema Essen wird dabei gleich mit erledigt. Was wir genau gegessen haben??? Keine Ahnung, hab nicht so genau hingeschaut! Möglichst viele Fliegen mit einer Klappe schlagen! Das macht uns glücklich, effektiv und erfolgreich!

 

Oder etwa doch nicht...? Die moderne Forschung deckt auf

Gehirnforscher haben festgestellt, neurobiologisch gibt es gar kein Multitasking! Nicht von Männern und auch nicht von Frauen. Das Gehirn kann sich nur auf eine! komplexe Tätigkeit konzentrieren. Allerdings kann unser modernes Gehirn sehr schnell zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten hin und herspringen. Multitasking lässt sich sogar üben, so dass die Sprünge im Gehirn zwischen den Aufgaben immer kürzer werden.

Wenn wir telefonieren und gleichzeitig eine E-Mail schreiben, sind wir mit unserer Aufmerksamkeit tatsächlich immer nur bei einer der beiden Tätigkeiten. Wir tun nicht wirklich beides zur selben Zeit. Das Ergebnis: Unterm Strich bekommen wir auch nur die Hälfte mit. 

Dabei gilt es zu erwähnen, dass häufig eine gewohnte Tätigkeit - wie beispielsweise laufen oder bügeln - automatisch und unbewusst in einer Routine abläuft, während wir uns auf ein Telefonat oder ein Gespräch konzentrieren.

 

Gibt es in unserem modernen Leben überhaupt eine Alternative?

Diese Frage kann nur jeder selbst für sich beantworten. Fest steht: Wir laufen zur Höchstleistung und zu wirklicher kreativer Schaffenskraft auf, wenn wir uns zu 100 Prozent einer Sache widmen können.

Multitasking soll unsere Effektivität und Produktivität steigern. Tatsächlich führt die gleichzeitige Erledigung mehrerer Aufgaben zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust. Multitasking ist anstrengend und fordert viel Nervenkraft!

Aktuelle Tests und Studien beweisen:

  • die Qualität der Leistung sinkt
  • die Fehlerquote steigt signifikant an
  • Kreativität ist beim Multitasking kaum möglich
  • wir brennen schneller aus
  • wir wirken auf andere nervös, fahrig und gestresst

Fragen Sie sich mal selbst. Wie wirkt ein gestresster Mensch auf Sie? Haben Sie den Eindruck, dass dieser Mensch besser, schneller und zuverlässiger seine Arbeit erledigt?

In einem Test sollten Autofahrer beim Fahren telefonieren und gleichzeitig auch noch eine SMS schreiben. Die Konzentration sank bei allen Beteiligten um mindestens 40 Prozent. Gleichzeitig stiegen Stresslevel und das Unfallrisiko stark an. Die Fehlerquote stieg auf Werte eines stark angetrunkenen Fahrers mit einem Wert von 0,8 Promille.

Eine weitere Multitasking Studie unter Hochbegabten der Harvard Universität brachte ebenfalls ernüchternde Ergebnisse. Die Intelligenz dieser Leistungsträger sank bei gleichzeitiger Erledigung mehrerer Aufgaben auf das Niveau eines Achtjährigen.

 

Machen Sie für sich einen Check!

Nutzen Sie eine To-do Liste oder einen Zeitplan für Ihre Arbeit und konzentrieren Sie sich möglichst häufig nur auf eine Aufgabe. Wenn Sie die Prioritäten während der Erledigung einer Sache ändern müssen, unterbrechen Sie diese Tätigkeit an geeigneter Stelle und beschäftigen Sie sich dann vollständig mit der neuen Aufgabe.

Manche Aufgaben - die nicht oberste Wichtigkeit und Dringlichkeit besitzen - lassen sich bündeln. So können beispielsweise die Belege für die Buchhaltung gesammelt und dann in einem Schwung bearbeitet werden. Ebenso können Sie überlegen, ob das permanente Checken der E-Mails über den Tag und über das Handy sein muss, oder ob zwei bis drei Checks am Tag nicht auch ausreichen! Manche gönnen sich auch mal eine handyfreie Zeit am Tag, um dem Kopf eine verdiente Auszeit zu gönnen.

Die Frage der Organisation des Tages ist sicherlich eine der schwierigsten überhaupt. Im Hamsterrad sitzend haben wir zudem den Eindruck, dass wir die Dinge selbst gar nicht in der eigenen Hand haben. Daher meine Empfehlung: Schauen Sie, welche Themen Sie beeinflussen können und ob Sie daran etwas ändern oder optimieren wollen. Mit Rücksicht auf unsere Gesundheit eine sehr lohnenswerte Betrachtung!   

Weitere Informationen zu Stressbewältigung durch Achtsamkeit finden Sie hier!